Ich habe ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Mathematiker im Bereich Financial Services geführt. Ehrlich gesagt war es eine ziemlich negative und toxische Erfahrung, weshalb ich niemandem empfehlen würde, sich für diese Position in diesem Team zu bewerben.
Schon nach den ersten fünf Minuten war klar, dass die Interviewer mir gegenüber eine negative Voreingenommenheit hatten. Als einer der Interviewer mir eine Frage stellte, die ich nicht ganz verstand, und ich noch einmal nachfragte, ob ich richtig verstanden habe, worauf er hinauswill, machte eine andere Interviewerin eine Facepalm-Geste und verdrehte die Augen. Nur aus Neugier: Wie reagieren wohl die Kunden, wenn sie sich in Meetings so verhält?
Nach diesem vielversprechenden Beginn setzten wir das Gespräch fort. Es war sehr deutlich, dass sie mit keiner meiner Antworten zufrieden waren, obwohl ich Antworten gegeben habe, wie sie auch in Lehrbüchern stehen. Sie begannen, mir weiterführende Fragen zum Finanzbereich zu stellen, obwohl laut Stellenbeschreibung diese Position „learning by doing“ vorsieht: Es wird nur sehr grundlegendes Finanzwissen verlangt, während der Rest – einschließlich eines tieferen Verständnisses – während der Arbeit an Projekten gelernt werden soll.
Sie waren mit meinen eher lehrbuchhaften Antworten und meinem Mangel an Praxisbeispielen unzufrieden, obwohl die Stelle ausdrücklich für Quereinsteiger ausgeschrieben ist. Während des gesamten Gesprächs gab es immer wieder diese Facepalm-Gesten und verächtliche Blicke, als würde ich nur Unsinn erzählen.
Als ich am Ende des Gesprächs (teils aus Spaß, teils um ihr merkwürdiges Verhalten besser zu verstehen) nach Feedback fragte, sagte einer der Interviewer, dass ich zwar über theoretisches Wissen verfüge, aber nicht verstehe, wie die Dinge in der Praxis funktionieren, weil ich aus einem anderen Bereich komme. Ich wiederhole mich, aber die Stelle ist ausdrücklich für Quereinsteiger ausgeschrieben und laut Beschreibung werden keine Vorkenntnisse im Finanzbereich verlangt.
Mein einziges Bedauern ist, dass ich das Ganze nicht sofort abgebrochen habe, als ich gesehen habe, wie unprofessionell sie sich verhalten. Ich habe sogar den Verdacht, dass sie nur zum Schein Interviews mit Kandidaten führen, um gegenüber Investoren oder Führungskräften den Eindruck zu erwecken, dass das Team wächst.