Die Kommunikation war zunächst ziemlich professionell und wenig überraschend - wie eben in jedem normalen Job. Als ich dann zum Vorstellungsgespräch vor Ort gebeten wurde, habe ich mich etwas schicker gemacht und bin einfach hinspaziert. Beim Standort angekommen, empfing mich auch schon eine freundliche kleine Dame mit den Worten: "Da sind Sie ja endlich, wir haben schon auf Sie gewartet." Leicht irritiert war ich doch angenehm überrascht, ob des lieben Empfangs und folgte der Dame ins nächste Gebäude. Als wir durch die Tür schraten, blickte ich in die erwartungsvollen Gesichter einer circa 12-köpfigen Runde von 50 bis 60 Jahre alten Männern im Anzug. "Ahhh Sie müssen der Neue sein, setzen Sie sich!" Er zeigte mit den Händen auf eine Stelle im Stuhlkreis, an der kein Stuhl stand. Zögernd und verunsichert setzte ich mich gefolgt von einem bestätigendem Nicken aus der Runde langsam auf den Boden zwischen den Stühlen. Hier hätte ich bereits wissen sollen, dass irgendetwas komisch ist. "Haben Sie Hunger?" fragte mich einer der Herren. "Ähm.. Nein" antwortete ich gefolgt von einem sehr lauten, ausgedehnten und sehr bestätigendem Raunen aus der Runde. "Ich hatte garnicht mit einem so großen Empfang gerechnet" kam es aus mir heraus - "Wir als Vorstand hier bei Edeka begrüßen jede Aushilfe noch selbst." Stille. Einen unerträglich langen Moment sagte keiner etwas. Zwischendurch hörte man den ein oder anderen tief durchatmen, ähnlich wie bei einer Meditationsübung, was nach einem langen halten des Atems in ein ausgedehntes von einem "Wuuuuuuuhhh" begleiteten Ausatmen überging. Man konnte hören, dass in diesem Moment alle Anspannung vom jeweils Ausatmenden abfiel. "Und Sie kommen aus Kassel?" - "Ja" - "Haben Sie denn noch Fragen an uns?" - "Vielleicht können Sie ja etwas über Edeka und die Stelle erzählen." - "Das ist keine Frage." Stille. Ich setzte an, das Gespräch von meiner Seite etwas aufzulockern: "Was w..." - "Gut, dann würden wir uns nochmal zurückziehen und Ihnen unsere Entscheidung baldmöglich mitteilen. Das wird ein paar Tage dauern, Sie können das Gelände aber in der Zwischenzeit gerne verlassen." - "O.. Okay. Dann warte ich auf Ihre Rückmeldung." - "Das ist Ihre Sache." Verwirrt verließ ich das Edekagebäude. Meine Chancen auf den Job einzuschätzen fiel mir nach diesem Gespräch wirklich schwer und ich fragte mich wie der Vorstand sich so viel Zeit nehmen konnte, da klingelte auch schon mein Telefon - eine fremde Nummer rufte an: "Ja Hallo!" hörte ich eine greisige Stimme "Ja Guten Tag hier Schneider kann ich auf irgend eine Art behilflich sein oder wieso rufen Sie mich genau jetzt an?" Meine Freunde haben mir schon oft gesagt, dass diese Begrüßungsformel ein verwirrender Start in ein Gespräch ist, trotzdem kann ich es mir einfach nicht abgewöhnen. "Hier der Edekavorstand Henzler. Ihr erster Eindruck hat uns gefallen. Ich würde mich daher gerne nochmal mit Ihnen Treffen. Dienstag 5.30 Uhr am Hügel im Oranienpark? Von da aus kann man den Sonnenuntergang sehen." "Okay... Klar, können wir machen." "Ach wissen Sie was, wir machen Ihnen ein Angebot." Sofort legte ich auf und freute mich über das Angebot.