Ich habe mich über die Google-Webseite auf die Stelle beworben. Nach 7 Tagen meldete sich die Personalabteilung per Telefon. In diesem Gespräch erklärte man mir den Bewerbungsprozess.
Zuerst hatte ich einen Telefontermin mit dem Vertriebschef. In diesem Gespräch haben wir versucht, unsere Ideen und Erwartungen darzulegen. Google war an meinen Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet interessiert. Das Gespräch verlief ein bisschen chaotisch, da mein Gesprächspartner während des Gesprächs den Raum wechseln musste.
Nach diesem Termin wurde ich von der Personalabteilung in die Münchner Niederlassung eingeladen, um an drei weiteren Interviews teilzunehmen. In letzter Sekunde bekam ich andere Gesprächspartner - damit war meine Vorbereitung gestorben.
Das erste Interview lief über Google Talk. In diesem Gespräch gab es Diskussionen über meinen derzeitigen Job und wie ich diesen erledige. Ab und zu brach die Tonübertragung bei Google Talk zusammen. Für das zweite Gespräch musste ich in einen Konferenzraum wechseln. In der Videokonferenz unterhielt ich mich mit einem weiteren Vertriebsingenieur. Wiederum ging es um meine derzeitige Jobsituation. Der Interviewer war sehr aufdringlich bezüglich meiner Innovationen für meine derzeitige Firma. Ich habe ihn über meine Beiträge zu Innovationen informiert. Es schien mir, als ob er mehr erwarten würde. Der Interviewer war sehr ignorant gegenüber der Tatsache, dass andere Firmen anders arbeiten und andere Ziele setzen als Google.
Das dritte Interview war ein persönliches Gespräch mit einem Vertriebsmitarbeiter, wir sprachen über Verkaufssituationen. Mitten im Gespräch kam ein zweiter Vertriebsmitarbeiter dazu. Nach einer Weile begannen die beiden in meiner Anwesenheit eine Auseinandersetzung darüber, ob mein Profil denn überhaupt passen würde. Ich berichtete den beiden von meinem ersten Gespräch mit dem Vertriebschef, darüber später mehr.
Nach einer Woche kontaktierte ich erneut die Personalabteilung. Man informierte mich, dass zwei weitere Interviews geplant seien. Ich sollte nochmal in das Google Büro kommen und an zwei weiteren Videokonferenzen teilnehmen. Nach einigen Änderungen und Verwirrungen entschied die Personalabteilung, anstelle der Videokonferenzen nun Telefoninterviews zu machen.
In meinen ersten Telefongespräch sprach ich mit einem der Geschäftsführer. Es war ein angenehmes Gespräch über mein Fachgebiet und das Geschäft. Er machte einige interessante Bemerkungen über Google und die Technologien. Meiner Meinung nach war dieser Geschäftsführer der erste, der wirklich ehrliche Antworten gab.
Später bekam ich einen Anruf von einem weiteren Interviewer. Das Gespräch begann mit meiner derzeitigen Jobsituation und ging dann zu technischen Details über. Am Ende des Gesprächs fragte er mich nach meinen Kenntnissen bezüglich bestimmter Einstellungen von DNS. Meiner Meinung nach waren diese Fragen unsinnig.
Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass die Google-Leute ziemlich arrogant sind. Alle scheinen der Ansicht zu sein, dass nur Google auf dem richtigen Weg ist. Wenn man es anders macht - ist es falsch. Ich bin auch der Auffassung, dass Management und Angestellte über verschiedene Themen sprechen. Was der Vertriebchef will, ist etwas anderes als das, was die Interviewer wollen. Ich glaube, die Wunschliste für das Profil eines Bewerbers ist noch nicht fertig.
Die Kommunikation mit der Personalabteilung war ziemlich seltsam. Die meisten meiner Fragen wurden nicht wirklich beantwortet, außerdem erwartet die Personalabteilung, dass man seinen kompletten Arbeitstag den Bedürfnissen von Google anpasst. Kurzfristige Änderungen sind normal.
Nachdem die Personalabteilung mir mitteilte, dass Google mir kein Jobangebot machen würde, kontaktierte ich all meine Interviewpartner. Ich bedankte mich für die interessanten Diskussionen und wünschte ihnen alles Gute. Nur einer von sechs hat geantwortet - ein ziemlich klägliches Ergebnis.